Der Sommer meines Lebens in Frankreich
Ein Sommer voller Freiheit, eigener Pläne, Abenteuer und Meer? - All das wurde mir für vier Wochen im Jahr 2025 dank eines Reisestipendiums der zis-Reisestiftung ermöglicht. Die Stiftung vergibt jedes Jahr rund 60 Stipendien an junge Menschen zwischen 15 und 21 Jahren. Im Rahmen dieses Programms erhält man aktuell 800 Euro, mit denen man eigenständig eine Reise zu einem selbstgewählten Thema plant und durchführt.

Meine Reise führte mich nach Frankreich, und mein Thema lautete « Voyage en pâtisserie ». Ich wählte es, weil ich sehr gerne backe und es liebe, neue Rezepte auszuprobieren. Gleichzeitig war es mir wichtig, Französisch auch außerhalb der Schule anzuwenden und nicht zu verlernen, besonders weil ich das Fach inzwischen nicht mehr belege. Die Reise bot mir deshalb die Möglichkeit, mehrere Interessen miteinander zu verbinden. Ich konnte die französische Backkultur entdecken, mein Schulfranzösisch anwenden sowie gleichzeitig einen Einblick in den Alltag und die Kultur Frankreichs bekommen. Mein Projektergebnis war ein deutsch-französisches Backbuch.

Während meiner Reise hatte ich die Gelegenheit, viele unterschiedliche Menschen kennenzulernen, mit ihnen zu sprechen und gemeinsam zu backen. Besonders spannend war es, neue Rezepte zu lernen und die Geschichten dahinter zu hören. So habe ich zum Beispiel traditionelles Backwerk wie baguette, pain au chocolat und macarons kennengelernt, aber auch eher ungewöhnliche Rezepte wie Yuzu-Cheesecake oder den sogenannten gâteau au Carambar. Zu manchen dieser Rezepte gehörten auch kleine Familiengeschichten oder Anekdoten, die mir zeigten, dass Gebäck verbindet und oftmals eine wichtige Rolle im Alltag und in Erinnerungen spielt.
Ein wichtiger Teil meiner Reise waren auch die fünf Gastfamilien, bei denen ich wohnen durfte. Insgesamt war ich nämlich in fünf verschiedenen Städten: Mulhouse, Troyes, Malakoff, Bordeaux und Perpignan. Jede dieser Stationen war anders, und genau das machte meine Reise besonders.
In Mulhouse, meiner ersten Station, durfte ich allein im sehr schönen Haus einer Familie wohnen, die selbst gerade verreist war. In Troyes erlebte ich dafür umso mehr Familienleben und verbrachte fast jeden Tag gemeinsam mit meinen Gasteltern und den drei Gastschwestern. In Malakoff, einem Vorort von Paris, nahm ich ebenfalls am Alltag der Familie teil. Wir aßen, buken, spielten Spiele oder erledigten Einkäufe zusammen. Auch in Bordeaux unternahm ich viel mit meinen Gastgebern, machte zum Beispiel Ausflüge aufs Land oder besuchten gemeinsam Veranstaltungen. In Perpignan musste meine Gastfamilie tagsüber arbeiten und zur Schule gehen, sodass ich viel Zeit allein hatte und diese in der Stadt oder am Strand verbrachte.

So unterschiedlich die Familien und Orte auch waren, eines hatten sie alle gemeinsam: Viel Offenheit, Wärme und Gastfreundschaft. Dafür bin ich unfassbar dankbar!
Neben meinen Gastfamilien hatte ich auch Kontakt zu verschiedenen professionellen Bäckern. Dort konnte ich die Produktionsräume besichtigen, Rezepte und Techniken lernen, viel probieren und selbst für einige Tage in Form eines Praktikums mitarbeiten. Auch drei Altenheimen stattete ich Besuche ab, in denen ich mit den Seniorinnen und Senioren gemeinsam buk und mich unterhielt. Das war eine wirklich spannende Erfahrung. Die Bewohnerinnen konnten viel erzählen, nicht nur über Rezepte, und ich schließ sie in kurzer Zeit sehr in mein Herz.

Rückblickend lernte ich auf dieser Reise nicht nur viel über französische Pâtisserie, sondern auch über mich selbst. Meine Tage selbst zu planen, allein unterwegs zu sein und mich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden, war teils wirklich herausfordernd, aber gleichzeitig auch sehr bereichernd. Ich lernte, Zeit allein zu verbringen und auf Menschen zuzugehen. Die allermeisten Menschen meinten es gut mit mir, und neue Kontakte knüpfte ich am einfachsten mit ein bisschen Mut. Außerdem bemerkte ich, dass man viel mehr Situationen meistern kann, als man im ersten Augenblick denkt. Zum Beispiel durch fremde Länder zu reisen oder Gespräche ohne das passende Vokabular zu führen, geht oft viel besser, als man denken würde.

Unterwegs lernte ich unglaublich viel. So kitschig das auch klingen mag: Diese Reise war unvergesslich. Es war der Sommer meines Lebens. Eine Zeit wie diese werde ich vermutlich nie wieder haben. Ich kann anderen Schülerinnen und Schülern nur von Herzen empfehlen, Ähnliches zu unternehmen!
Zuletzt möchte ich mich herzlich bedanken, bei der Stiftung, die mir diese Erfahrung ermöglicht hat, aber auch bei Frau Möckel und allen anderen, die mich davor, währenddessen und danach unterstützt haben. Bei jedem, der mir mit Offenheit begegnet ist, mich bei sich aufnahm und sein Wissen mit mir teilte. Danke!
Berit Tauchmann
Schülerin der Q13
Berit Möckel
Studiendirektorin
Seminarlehrerin Französisch


